Pastor Oliver Hoesch, Kiel


"Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen." (Offb 7,17)


Es ist eine der z√§rtlichsten Gesten √ľberhaupt: einem anderen Menschen die Tr√§nen abzuwischen. Ein Moment, eine Ber√ľhrung nur, die doch so intensiv spricht: Ich bin bei Dir, ganz nah. Deine Tr√§nen r√ľhren mich. Dein Schmerz schmerzt mich. Komm, lass mich Dir wenigstens die Tr√§nen abwischen, wenn ich sie schon nicht daran hindern kann, zu flie√üen.

Sich von einem anderen Menschen die Tränen abwischen zu lassen das sagt auch viel: Ich zeige mich hilflos und weine, ich gebe meine Schwäche zu, ich lasse Dich miterleben, wie kraftlos ich gerade bin. Und ich lasse es zu, dass Du mir hilfst - mit dieser intimen Geste.

Am Ende der Zeiten, so sagt es die Bibel, wird Gott das tun. In der Offenbarung hei√üt es: "Gott wird abwischen alle Tr√§nen von ihren Augen." Ein unvorstellbares Bild: Gott, der Sch√∂pfer, der M√§chtige, der Ewige: Er k√ľmmert sich um jede kleine und gro√üe Tr√§ne. Er macht heil, was in uns zerbrochen ist, was unser Herz verwundet hat und die Seele vergiftet.

Unbegreiflich: dieser Gott k√ľmmert um Milliarden von Menschen dieser Welt, die vor uns lebten, mit uns leben und die nach uns leben werden so, als g√§be es nur einen einzigen Menschen, auf den er seine ganze Liebe wirft.

Ein tröstendes Bild. Ein Bild, das wir uns vor Augen halten können, wenn uns die Ungerechtigkeit und Hartherzigkeit unserer Welt zu schaffen macht, und uns den langen Atem nehmen will. Und eine Ermutigung dazu, diese Liebe und Wärme an andere Menschen weiterzugeben. Heute und jeden Tag.